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Plötzlich pleite

Leere Kassen, offene Rechnungen: Die Insolvenz kann Geschäftsleute und Privatpersonen gleichermaßen treffen. Welche Unternehmen es hart erwischt hat und welche Möglichkeiten Betroffene noch haben.

Das sind die bisher größten Firmenpleiten 2017

Galerie von Andreas Schrank und Benedikt Alberternst


Eine Insolvenz kann beim Betroffenen eine persönliche Krise auslösen. Viele halten ihr wirtschaftliches Scheitern lieber geheim. Anonyme Telefonberatungen bekommen daher immer mehr Zulauf.

Bei der Schuldner- und Insolvenzberatung der Stadt München melden sich Arbeitslose, Familien,  Selbstständige und Unternehmer, die in einer finanziell schwierigen – teilweise ausweglosen – Situation stecken. Marc Wichlajew und seine Kollegen hören sich die Geschichten dieser Menschen am Telefon oder in persönlichen Gesprächen an, versuchen Mut zu machen und Erste-Hilfe-Tipps zu geben. „Zunächst einmal geht es um die Existenzsicherung, also dass Miete, Strom, Wasser und Nahrung gesichert sind“, erklärt Wichlajew. Die Betroffenen müssten vor allem emotional aufgefangen werden. Außerdem geben die Berater praktische Informationen und Tipps mit auf den Weg, sie erklären zum Beispiel die Eröffnung eines Pfändungsschutzkontos.

 
"Zunächst einmal geht es um die Existenzsicherung, also dass Miete, Strom, Wasser und Nahrung gesichert sind." Marc Wichlajew, Schuldner- und Insolvenzberatung der Stadt München

Wichlajew unterstützt dabei keinesfalls nur Großunternehmer: „Es sind die normalen Leute. Die scheitern nicht an großen Träumen oder irgendwelchen Luxusaufwendungen, sondern an der Teilnahme am ganz normalen Leben. Die Kinder ins Schullandheim schicken, Weihnachten feiern, die Waschmaschine reparieren.“

Oft sind die Berater am Telefon die einzigen, die von der Notlage der Anrufer erfahren. Viele trauen sich nicht, der Familie oder dem Freundeskreis vom eigenen Scheitern zu erzählen. Dabei ist Ehrlichkeit sehr wichtig, denn oft muss als Folge der Verschuldung die gesamte Familie kürzer treten. „Wichtig ist für die Leute, dass sie sich nicht kriminalisiert fühlen. Schulden sind kein Verbrechen“, sagt Wichlajew. „Ich sage denen immer: Wegen Schulden kommt man nicht ins Gefängnis – sonst säße das halbe Land im Knast.“

von Verena Lörsch und Julia Weller

Notfall-Nummern

Betroffene können sich zum Beispiel bei der Insolvenz-Hotline der Stadt München (089/ 233 243 53) Hilfe holen. Bundesweit steht die Online-Schuldnerberatung der Caritas zur Verfügung.

Aufmacherfoto: Florian Eckl

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