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Harte Schale,
harter Kern

Heim, Mobbing, Studienabbruch. Valentina Trentin hätte scheitern müssen. Aber die Rückschläge haben die modelnde Verkäuferin stark gemacht. Und kalt. 

„Stay strong“ steht auf ihrem Arm. Bleib stark. Ein Paradox, so stark, wie sie da sitzt auf einer Parkbank in Bozen, Südtirol: Valentina, 23 Jahre alt, drei Piercings, zwei Tattoos, strahlende Zähne, wache Augen. Sie starrt in die Ferne, als würde sie ihr gehören.

Das Tattoo kommt aus einer Zeit, in der Valentina noch nicht diejenige war, die sie heute ist. Es entstand während ihrer Ausbildung, Gastrobranche. Eine Belastungsprobe, denn ihr Chef fuhr die harte Tour.

„Der war so ein Arschloch, ehrlich, also am Ende habe ich gesagt: Ich hasse dich und bin so froh, dich nicht mehr zu sehen, aber ich bin ihm wirklich dankbar, ich hab‘ sehr viel von ihm gelernt und unterkriegen wird mich nichts mehr.“

Das war nicht immer so. Nicht, als sie ins Heim kam. Nicht, als die anderen sie mobbten.

„Es prägt einen, also man merkt, ich bin auch total ’ne Einzelgängerin, ich vertrau‘ keinem, ich mach‘ mein Ding und ist mir scheißegal, ob mich jemand mag oder nicht, aber man wird viel kälter. Ich mach‘ meinen Weg. Hauptsache, ich komm‘ weiter und fertig. Wenn man verletzlich ist, kommt man nicht weiter.“

Nur einer Person, sagt sie, traue sie wirklich. Ihrem Freund, ihrem „Schatz“. Die anderen hält sie auf Abstand. Stay strong, keine Verletzlichkeit. Nicht Vorgesetzten, nicht Bekannten, nicht Freunden gegenüber.

Das, obwohl sie ihre Verletzlichkeit zur Schau stellt. Nackt posiert sie für ein paar zusätzliche Euro vor der Kamera, neben ihrem Job in einem Touri-Modegeschäft, in dem sie selbst nie einkaufen würde. Für Matratzen hat Valentinas Körper bereits geworben, für Obst, Motorräder und einen Antiksessel. Kritik gibt es, aber…

„Das ist mir so Wurst. Bei mir wissen Sie, ich denke mir immer, ich lebe nach dem Motto: Ist der Ruf schon mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, also, ich hab nie so getan wie man wollte.“

Aber sie weiß, was sie braucht. Und wie sie das bekommt. In Italien laufe alles über Kontakte: Wer gut vernetzt ist, bekommt Jobangebote und schnelle Arzttermine, spart sich auf dem Amt das Nummernziehen und Abzocke.

„Ich halte mir jeden warm, ich geh nie im Schlechten auseinander. Ich denke mir: Wer weiß, wann ich dich noch irgendwann brauche. Wenn ich jetzt zum Beispiel speise, normalerweise geh‘ ich dann, ess‘ ich hier, dann geh‘ ich in den Geschäften, red‘ hier ’n bisschen, red‘ da ’n bisschen, man muss schon, falsch muss man werden. Richtig egoistisch und falsch.“

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